Reise im Jahre 1910 (4) – Zum Einkaufen nach Bonndorf

Ruine Boll
Ruine Boll

TEIL4 Zum Einkaufen von Bad Boll nach Bonndorf

Der Pfad hatte sein Versprechen erfüllt, aber Ach !

Die Saison war noch jung, der Weg noch nicht betreten, das Gras war lang, und der Regen, wie so üblich, jüngeren Datums. Daher waren wir in einem durchnässten, etwas unbequemen Zustand, als wir uns auf die Straße zurückfanden, und an diesem Zwischenfall hängt die Moral: Nimm dir , Wanderer, so viele Paar wasserdichte Schuhe mit, wie deine Geldbörse bezahlen kann und dein Gepäck erlaubt !

Gut zurecht, wie die Schwarzwaldwege normalerweise sind, gibt es Gegenden wo man festes Schuhwerk braucht, vor allem in den weniger bereisten Gegenden, die wir gerade erkundeten und zusätzlich zu diesem, als unser Angebot an Gottes Wetterkapriolen, wage ich zu einem Mantel aus dem bekannten Material „Loden“ zu raten.

Letzteres ist leicht, warm und wasserdicht, und trägt sehr zum allgemeinen Wohlbefinden bei, was wir nach drei bis vier Regengüssen feststellten, mit gleich vielen unangenehmen Erfahrungen mit gewöhnlichen Regenmänteln.

Jedenfalls sagte uns der Zustand unserer Schuhabteilung, dass normales Laufmaterial von geringem Nutzen für unsere Anforderungen war, und am gleichen Tag folgten wir dem Rat unserer freundlichen Gastgeberin und machten uns auf den Weg in Richtung Bonndorf, der einzig mögliche Einkaufsort in der Gegend.

Die Zeit war jedoch nicht verschwendet, weil der Pfad, der links von der normalen Straße hoch führt, ist angenehm beschattet von Tannen und Weißbuchen und erlaubt dem Wanderer da und dort einen Blick in hohe Schluchten, überwuchert mit Moos und wilden Sträuchern, welche sich scheinbar durch ihre bloße Willenskraft an den Felsen klammerten, wo sie ihre Wurzeln haben weiß niemand.

Zur rechten des Weges halb versteckt durch Bäume, entdeckten wir die Ruine Burg Boll. Nur ein paar Mauern blieben von dem was eins die Heimatverteidigung der Ritter der „Belle“ war.

Das Geschlecht scheint im 14.Jahrhundert ausgestorben zu sein und fiel in die Hand ihrer Nachbarn vom Schloss Tannegg, aber wodurch die Burg zerstört wurde weiß keiner. Die beste Erklärung ist wahrscheinlich der Zusammenbruch des Felsens auf dem sie gebaut war.

Ruine Boll von hinten

Ein paar Gehminuten brachten uns zum Dorf Boll, ein stilles kleines Nest, welches, wenn man das aus den Inschriften des Friedhofes beurteilen kann, seit Generationen in der Hand von drei oder vier Familien ist. Quer durch das Dorf und über die Kuppe eines Hügels führte der Weg und wieder sah es so aus als ob wir den Schwarzwald hinter uns gelassen hätten und einmal mehr in der Hegau-Region wären.Vor uns rollte eine schier endlose Fläche von Bodenwellen nach Süden, hier und da durchbrochen von einer Waldfläche.

Nur wenn wir uns umdrehten und die Straße, die wir gekommen waren, zurück blickten, glaubten wir im Wald zu sein.Unter uns erstreckte sich das Tal bis zum grauen Horizont, ein scheinbar schwarzer, ungebrochener Schatten, und doch kannten wir sie gut genug, die unzähligen Täler, Flüsse Berge und Schluchten, die sich in der scheinbaren Monotonie versteckten, und fühlten zum ersten Mal die Ehrfurcht, die der Schwarzwald einflößen kann.

Er schien uns in der Tat in diesem Moment sehr schwarz, die Behausung seltsamer Geister und wilder Tiere, ein Ort dunkler Wunder und Geheimnissen, und vermutlich wären wir noch dagestanden und hätte uns in eine durch und durch gruseligen Zustand geträumt, hätten die Stiefel uns nicht an unsere Pflicht erinnert. Zehn Minuten Lauf über die Kuppe brachte uns nach Bonndorf selbst.

Nach ein paar Erkundigungen entdeckten wir das Geschäft, das wir suchten, und mitten zwischen Kandiszucker, farbigen Tüchern, Würstchen und Käse gelang es das benötigte zu bekommen. Ich möchte das nur erwähnen, falls dieser Service in Betracht gezogen wird, die Stiefel waren und sind die besten, die ich je gekauft habe. Sie kosteten 9 Mark , sind unzerstörbar, bequem, wasserdicht und scheußlich .

Aber die letzte Eigenschaft kann leicht verziehen werden im Schwarzwald, wo modische Kleidung fast schon ein Verstoß gegen den guten Geschmack ist. Nachdem wir eine Tasse Kaffee im Gasthaus Post getrunken hatten verließen wir Bonndorf, ließen sein bäuerliches Wesen hinter uns und machten uns auf den Heimweg.


Original von der australischen Schriftstellerin Ida Alexa Ross Wylie „Rambles in the Black Forest“ geschrieben 1910 , von mir aus dem englischen übersetzt Die restlichen 3 Teile demnächst .

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