Reise im Jahre 1910 (7) Abschied von Bad Boll

Räuberschlössle Wutachschlucht

TEIL7   Von Bad Boll über Kappel nach Lenzkirch und zurück – Abschied von Bad Boll

Wir, für unseren Teil , wandten unsere Aufmerksamkeit nun nach Westen und nachdem wir 2 Tage lang bei schlechtem Wetter gewartet hatten, starteten wir an einem schönen Morgen den Weg entlang zur Schattenmühle. Die Tour, die wir geplant hatten, war so berechnet, dass sie 5 Stunden dauerndes Gehen erforderte, so , gewarnt durch frühere Erfahrungen, nahmen wir Erfrischungen mit uns, um unabhängig von zweifelhaften Wirtshäusern zu sein.

Wir hatten bereits das Gelände bis zur Schattenmühle durchschritten und überquerten dort die Brücke und nach zweieinhalb Stunden Wandern erreichten wir die Ruinen, die die einheimischen das Räuberschlössle nennen, welches beim Nägelefelsen liegt und von dem aus man einen wunderschönen Blick ins darunterliegende Tal hat . An diesem Punkt wurden unsere Esswaren lästig und wir hatten die Idee zu einer halbstündigen Pause, was sofort in die Tat umgesetzt wurde.

Wutachschlucht beim Räuberschlössle

Nur ein allgemeines Misstrauen gegenüber unserem Reiseführer schreckte uns aus unseren schönen Träumen zwischen den Ruinen auf, wir hatten uns darüber informiert, dass der Rest unseres Weges nur 2 Stunden erforderte, wir hatten unsere Bedenken.

Jedoch, getreu unseres Wanderführers, nach 2 Stunden, erreichten wir die „Schwändiholzdobelbrücke“, welche allein schon wegen ihres Zungenbrecher-Namens berühmt sein sollte, und hatten dort das Vergnügen die Wutach unter ihrem neuen Namen Gutach kennenzulernen.

Der Fluss Haslach strömt von links hinzu, aber wir gingen dem Ufer unseres neu getauften Freundes entlang, bis wir eine halbe Stunden später die Eisenbahnbrücke erreichten, die größte Steinbrücke Deutschlands, und zum rechten Ufer über wechselnd erreichten wir unser Ziel Kappel.

Kappel stellte sich als kleines Dorf heraus, das den Müden und Hungrigen wenig zu bieten hat, so dass, erfreut über den schönen Blick hinüber zu den Höhen des Feldbergs , wir uns zu einer letzten Anstrengung entschieden.

Eine halbe Stunde später, der staubigen Landstraße entlang, kamen wir nach Lenzkirch, und dort wurde in der Tat unser Mut belohnt, weil dieser angenehme kleine Sommerurlaubsort friedlichen Wohlstand ausstrahlt, welches sehr erholsam ist, und was zusammen mit dem guten Essen im Gasthaus Adler, uns zurück in einen Zustand lieblicher Zufriedenheit brachte.

Nicht dass wir die gelbe Postkutsche verachteten, die uns nach Bonndorf zurück brachte, aber unsere Energie war sehr gedämpft, und wir trennten uns von Lenzkirch, fürchte ich, aus einer gewissen Abneigung uns zu bewegen.

Doch zweieinhalb Stunden in einer wackligen Schwarzwaldkutsche genügt, um selbst den Faulsten zufrieden zu stellen, und war Bonndorf erst einmal erreicht, waren wir völlig zufrieden, unsere verkrampften Glieder in einem kurzen Spaziergang strecken zu können und zurück nach Bad Boll hinunter zu steigen.

Wir sahen auf unser sauberes, bequemes und bescheidenes kleines Gasthaus , als ob es unser Zuhause wäre, und es war mit wirklichem Bedauern, dass wir uns daran erinnerten, dass für den nächsten Tag unsere Abreise, auf zu neuen Taten, geplant war.

In Dankbarkeit für die aller schönsten Wochen, die wir im Schwarzwald verbracht hatten, finde ich es nur recht dieses kleine Haus zu empfehlen, dem Wanderer zu raten diesen kleinen unbekannten Fleck zu suchen , wenn er Ruhe , wunderschöne Spaziergänge und eine belebende Luft mag. Und falls er Sportsmann ist, umso besser, weil Angeln im Überfluss möglich ist, und sogar der Jäger im umgebenden Wald genug Möglichkeiten findet.

Viele Wochen können in Bad Boll verbracht werden, ohne Langeweile, wenn für die regnerischen Tage die Bibliothek gut gerüstet ist, aber unsere Pläne verboten es uns diesen Versuch zu machen, am gleichen Abend unseres Ausfluges nach Lenzkirch sagten wir unseren verschiedenen Freunden Lebewohl . Nur unser Angelfreund schaute mitleidig auf uns, war er doch für zwei Monate da, unsere englische Bekanntschaft drehte uns den Rücken zu, ich glaube er sah unsere Abreise als persönliche Beleidigung an.

Selten hatten wir den Sonnenschein mehr gepriesen als am folgenden Morgen, um acht Uhr, als unser Gastgeber uns sagte, dass die Kutsche wartete . Denn wir hatten uns zu einer besonders langen Fahrt zu unserem nächsten Reiseziel entschieden, und das ganze Vergnügen lag deshalb in den Händen des Wettergottes .Zum Glück war er in Urlaubsstimmung und wir nahmen in freudiger Erwartung die Plätze in unserer komfortablen Kutsche ein, und nahmen Abschied von Bad Boll .

Der ganze Haushalt kam heraus, um uns zu verabschieden, und wir fühlten uns geschmeichelt und redeten uns ein, dass es nicht nur der Gedanke an mögliche Trinkgelder sei, dass dieses Interesse hervorrief , aber der Händedruck unserer Gastgeber war von wirklich aufrichtiger Herzlichkeit.

Jedenfalls, vergeblich wie solche Geschenke zu solchen Anlässen leider sind, schätzten wir den Strauß von Wildblumen, den wir im letzten Moment von einem kleinen Familienmitglied bekommen hatten, bis sein verwelkter Zustand uns zwang, ihn dem Straßenrand zu übergeben, eine dunkle Tat der Undankbarkeit, welches wie wir stark hofften, dem Auge des Kutschers entging .


Ab hier verlassen wir die Reisebeschreibung von  I.A.R.  Wylie  aus dem Jahre 1910 , nach Bad Boll ging es nach St.Blasien,  das wollte ich nicht mehr in Deutsche übersetzen    –  mehr über den Fund und über  Fräulein Wylie  im nächsten Beitrag .

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