Das Gerbert-Denkmal in Bonndorf von 1855

Aus der Zeitung  Carinthia 1.12.1855 dem Wochenblatt für Vaterlandskunde, Belehrung und Unterhaltung :

Das Gerbert-Denkmal in Bonndorf.

Die Karlsruher Zeitung theilt in der diesjährigen Nummer 178 die Nachricht mit, daß die Gemeinden des großherzoglich badischen Amtes Bonndorf dem berühmten Fürstabte von St. Blasien, Martin Gerbert, ein in einer Statue in Lebensgröße bestehendes Denkmal errichten lassen. Dasselbe wird der geniale Bildhauer Reich in Hüfingen verfertigen und das Modell ist bereits ausgefertiget. Da sich die irdischen Ueberreste der Fürsten des österreichisch-habsburgischen Kaiserhauses, welche im Jahre 1770 aus der alten Kathedrale von Basel und aus der verfallenen Klosterkirche von Königsfelden im Aargaue ausgegraben, und in die von dem genannten Abte nach dem Brande vom Jahre 1768 mit einem ungeheuren Aufwande nach dem Muster der Kirche della Maria rotunda in Rom aufgebaute neue, prachtvolle Abteikirche von St. Blasien übertragen wurden, nun in der Abteikirche von St. Paul im Lavantthale befinden, und die durch Abt Martin Gerbert gesammelten werthvollen Manuskripte und die Handschriften einiger seiner wissenschaftlichen Werke, wie auch seine gelehrte (Korrespondenz in der Bibliothek und in dem Archive von St. Paul aufbewahrt werden, so ist der Abt Martin Gerbert nun auch für Kärnten eine besonders denkwürdige Person, und es dürfte daher angenehm seyn, diesen berühmten Abt und die Gründe kennen zu lernen, welche die Gemeinden des Amtes Bonndorf zur Errichtung des Denkmales bestimmten, welches ihnen nicht minder, als dem hochgeachteten Herrn Abte zur Ehre gereicht.

Abt Martin Gerbert entstammte dem altadelichen Geschlechte der Gerberte, Freiherren von Hornau zu Horb, welches sich bald nach der Reformation von Basel in Horb und später in der unteren Grafschaft Hohenberg niedergelassen hatte. Er wurde am 13. August 1720 zu Horb am Neckar im Schwarzwalde geboren, erhielt den ersten Unterricht in den Schulen von Ehingen in Schwaben, zu Freiburg im Breisgaue und zu Klingnau in der Schweiz. Philosophie und Theologie studirte er im Stifte St. Blasien, wo er in den Benediktinerorden aufgenommen wurde, am 28. Okt. 1737 die Ordensgelübde ablegte, und im Jahre 1714 zum Priester geweiht wurde. Seinen gründlichen Kenntnissen verdankte er bald eine Professur der Philosophie und bald nachher der Theologie im Stifte St. Blasien. Wahrheit und Gründlichkeit harmonirten bei ihm mit seinem Geschmacke. Scholastische Subdilitäten lagen außer dem Bereiche seiner Forschungen. Einen neuen Antrieb zu gelehrten Forschungen erhielt er, als ihm die Aufsicht über die Stiftsbibliothek anvertraut wurde. Er erfreute sich der Unterstützung seines Abtes, und durch diese ward es ihm möglich, zur höhern Ausbildung und Erweiterung seiner Welt- und Menschenkenntnis mehrere gelehrte Reisen durch Frankreich, Italien und den größten Theil Deutschlands zu machen. Das Merkwürdigste, was er auf seinen Reisen erlebt, theilte er später in mehreren seiner Schriften mit.

Seiner Gelehrsamkeit, seinem unbescholtenen Wandel und seinen vielen löblichen Eigenschaften, die seinen Charakter als Mensch zierten, hatte es Gerbert zu danken, daß ihn nach dem Tode des Fürstabtes Meinrad Troger im Jahre 1764 die Congregation seines Stiftes zum Fürstabte wählte. Als solcher führte er den Namen Martin II. Allgemein rühmte man ihm nach, daß diese Standeserhöhung in seinem Benehmen nichts geändert habe, und seine fortgesetzte literarische Thätigkeit bewies, daß sein Fleiß als Gelehrter durch die vielfachen Geschäfte, die sein Amt von ihm forderte, und durch den Glanz seiner Würde nicht unterbrochen ward.

Im Jahre 1768 wurde das Kloster sammt der Kirche, dem Büchersaale und den dazugehörigen Nebengebäuden ein Raub der Flammen. Der Brand soll durch einen Blitz entstanden seyn, welcher acht Wochen früher das Kloster getroffen. Das Feuer war gegen Mittag ausgebrochen und Alles unter den Zimmern des Abtes stand bereits in Flammen, als man ihn, der in seine Studien vertieft nichts von dem Brande merkte, abholte und mit Mühe rettete. Nach drei Jahren war der Wiederaufbau des Klosters fast der Vollendung genaht, und im Jahre 1771 konnte er den bis dahin zerstreut untergebrachten Mönchen wieder bewohnbare Zellen einräumen. Mit fürstlicher Freigebigkeit ließ Gerbert die Kirche und die übrigen Klostergebäude aufführen und verschaffte dadurch den Handwerksleuten der Umgegend Nahrung und Unterhalt. Die neue, prachtvolle, nach dem Muster der Rotunde in Rom aufgebaute Kirche hatte durch den häusig angebrachten Alabaster, der in den benachbarten Bergen des Klosters gebrochen wurde, ein glänzendes und imposantes Ansehen. Der Bau war im Jahre 1781 vollendet; die feierliche Einweihung fand jedoch erst im Jahre 1783 statt, weil die älteste Königsurkunde, die das Kloster als Abtei aufweisen konnte, von dem K. Otto II. im Jahre 983 gegeben wurde.

Die Vollendung dieses Baues machte ihm auch die Erfüllung eines Lieblingswunsches möglich, nämlich den, die Leichen der Fürsten ans dem österreichischen Hanse, die außer Deutschland, namentlich in der Schweiz, zu Basel und Königsfelden aufbewahrt worden waren, in seine Stiftskircke zu versetzen. Die Kaiserin Maria Theresia hatte diesen Plan gebilliget und, durch ihren Residenten in der Schweiz, die Einwilligung der Stände von Basel und Bern erwirket. Die Uebergabe hatte schon im Jahre 1770 stattgefunden; allein erst nach dem vollendeten Baue der neuen Stistskircbe konnte die feierliche Beisetzung in die für diese fürstlichen Leichen neu erbaute Gruft erfolgen. Als das Stift St. Blasien im Jahre 1807 aufgehoben wurde, und die Ausgewanderten im Jahre 1809 das neue Stift St. Paul im Lavantthale bezogen, wurden auch die hochgeschätzten irdischen Ueberreste der in St. Blasien beigesetzt gewesenen österreichisch – Habsburgischen Fürsten nach St. Paul übertragen, und in ein von dem letzten Fürstabte von St. Blasien und ersten Abte von Neu – St. Paul, Berthold Rottler, in dem südlichen Kreuzarme des Querschiffes der St. Pauler – Abteikirche errichtetes Cenotaph beigesetzt.

Gemeinsam mit dem gelehrten Wormser Weihbischofe Stephan Alexander Würdtwein unternahm Abt Martin Gerbert die Herausgabe der von Kapitularen seines Stiftes bearbeiteten und mit Recht berühmten Germania Sacra. Die Krönung Joseph II. zum römischen König feierte er durch die Fasti Rudolphini, die Geschichte des erlauchten Anherrn des habsburgischcn Hauses und des Erzhauses Oesterreich. Auch erschienen von ihm die geschätzten Werke: Historia nigrae silvae, de Rudolpho Suevico, Codex epistolaris Rudolphi I., die Geschichte des erlauchten Anherrn des habsburgischen Hauses und des Erzhauses Östereich.
Außerdem lieferte Abt Martin Gerbert auch noch eine bedeutende Anzahl von Werken aus beinahe allen theologischen Wissenschaften. Unter diesen fand eine besondere Beachtung seine: Ecclesia militans regnum Christi in terris insuis fatis repraesentata  (Die streitende Kirche als das Reich Christi auf Erden, in ihren Schicksalen dargestellt) S. Blasii, 1789. II. Tom., worin er aus der Geschichte die traurigen Folgen nachwies, welche die Einmischungen weltlicher Fürsten und Herren in die kirchlichen Angelegenkeiten gehabt haben.

Durch seine Reisen, wie durch seine Schriften erwarb sich Gerbert einen so bedeutenden Ruf, daß er von den literarischen Gesellschaften in London, Berlin, Mannheim, München und Roveredo zum Mitgliede ernannt wurde. Unter seiner Aufsicht blühten die Wissenschaften in seinem Stifte und man nannte ihn den Wiederhersteller der wahren Gelehrsamkeit in den deutschen Klöstern.

Aber nicht bloß durch seinen Sinn für Wissenschaft und Kunst, auch durch seinen Charakter als Mensch zeigte sich Gerbert von einer sehr beachtenswerthen Seite. Seine Wohlthätigkeit gegen Arme bewog ihn namentlich im Jahre 1789 für die damals blasianischen Aemter Bonndorf, Blumegg, Gutenburg und Bettmaringen, welche nun in dem großherzoglichen Bezirksamte Bonndorf vereiniget sind, ein Spital zu stiften, welches noch jetzt in Bonndorf besteht. Ebenso errichtete er daselbst eine Spar und Waisenkasse, welche den Gemeinden des Amtes Bonndorf stets zum Nutzen und Frommen gereichte. Aus Erkenntlichkeit hiefür widmen nun die dankbaren Gemeinden ein Denkmal dem Abte Martin Gerbert, der sich durch seine Thaten und Schriften selbst ein Denkmal gesetzt hatte, dauernder als das Erz. Er starb am 13. Mai 1793*).

G. Freiherr von Ankershofen.

Quelle :   Grafik und Text  von Google Books – korrigiert und überabeitet von mir.

Die  Fürstabt Martin Gerbert Statue wurde Ende Oktober  zum Steinmetz Rosa zur Runderneuerung nach Grafenhausen gebracht,  beim Hochhieven ist sie im Bereich der Beine in zwei Teile gebrochen.

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